SIT,spezifische Immuntherapie,Hyposensibilisierung,Allergie-Impfung,Cluster-SIT,  
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29. Kongresses des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA)
Kurhaus Wiesbaden - 15. und 16. September 2006


Im Herbst zum Allergologen

Die spezifische Immuntherapie – Trends und Entwicklungen

Wiesbaden, 15. September 2006 – Die wichtigsten Neuerungen für die Behandlung von Allergien betreffen die spezifische Immuntherapie. In Form von neuen Ko-Agentien, Applikationsintervallen und Darreichungsformen – ganz neu eine lyophilisierte Gerüsttablette mit Gräserallergenen – erlebt die kausale Allergietherapie derzeit einen enormen Aufschwung. Darauf wies Professor Dr. Ludger Klimek bei der Eröffnung des 29. Kongresses des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen am 15. September in Wiesbaden hin.

Eine spezifische Immuntherapie (SIT) ist die einzige Möglichkeit, Atemwegs- und Insektengift-Allergien ursächlich zu behandeln. Die Therapie reduziert die Allergiesymptome effektiv und lang anhaltend und kann das zusätzliche Auftreten von Asthma verhindern. Dennoch erhalten zu wenige Patienten diese kausale Allergietherapie. „Seit Jahren wird fieberhaft geforscht, um der Immuntherapie zu mehr Akzeptanz bei Ärzten und Patienten zu verhelfen. Jetzt zeichnen sich wirkliche Innovationen ab“, erklärte der Wiesbadener Kongresspräsident Klimek auf dem diesjährigen Kongress des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).

Bei einer spezifischen Immuntherapie erhält der Patient zunächst wöchentlich ansteigende Dosen eines Präparats mit „seinem“ Allergen in einer molekular standardisierten Zubereitung. Anschließend wird über einen Zeitraum von drei Jahren etwa alle vier bis sechs Wochen eine Erhaltungsdosis in den Oberarm injiziert. Alternativ können täglich oder mehrmals wöchentlich Tropfen unter die Zunge geträufelt werden (sublinguale Therapie). Die SIT wirkt gegen allergischen Schnupfen und allergisches Asthma aufgrund von Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaaren, aber auch gegen Insektengift-Allergien. Die wiederholte Verabreichung von standardisierten Allergenen führt nach heutigem Verständnis zu einer verminderten Freisetzung von Allergie fördernden Botenstoffen (Zytokinen) durch TH2-Lymphozyten und einer wie bei gesunden Menschen von TH1-Lymphozyten dominierten Immunantwort.

„Grastablette“ in größtem Studienprogramm bewährt

Noch in diesem Jahr soll erstmals eine Tablette in Deutschland zugelassen werden, die das Potenzial für eine breite Anwendung der Kausaltherapie bei Patienten mit Allergie auf Gräserpollen hat. Es handelt sich dabei um eine lyophylisierte Gerüsttablette mit Allergenen aus Gräserpollen, die unter die Zunge gelegt wird und sich dort in Sekundenschnelle auflöst. Der Patient wendet diese Tabletten-Immuntherapie einfach zuhause an. Die Grastablette hat sich im größten Studienprogramm im Bereich der Immuntherapie bewährt. „Die Tabletten-Immuntherapie ist eine neue Chance für Gräserpollenallergiker, die immerhin schätzungsweise 70 Prozent der Heuschnupfenkranken ausmachen“, erklärt der HNO-Arzt und Allergologe Klimek.

Auch Verbesserungen für die subkutane Immuntherapie sind ein Thema auf dem ÄDA-Kongress. Professor Klimek hat am Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden sehr gute Erfahrungen mit einem verkürzten Aufdosierungsschema für die subkutan applizierte SIT gemacht. Bei dieser so genannten Cluster-Immuntherapie wird die zeitaufwändige Dosissteigerungsphase – ein Hauptproblem für die Therapietreue der Patienten – erheblich verkürzt. Die Betroffenen erhalten mehrmals täglich Allergen-Depot-Präparate und erreichen so die Erhaltungsdosis innerhalb weniger Tage. „Mit der Cluster-SIT treten nicht mehr Nebenwirkungen auf als bei der herkömmlichen Dosissteigerung. Für die Patienten bedeutet diese Therapie einen erheblichen Zeitgewinn“, so Klimek.

Gentherapie gegen Allergien

Aufgrund der Fortschritte bei der Aufklärung von Eiweißstrukturen und den ihnen zugrunde liegenden DNA-Sequenzen ist auch im Bereich der Allergiebehandlung eine klinische Gentherapie denkbar. Allergieauslöser sind Proteine. Die „Baupläne“ dieser Allergene entsprechen bestimmten DNA-Abschnitten in den Zellen der Pflanzen oder Tiere, von denen die Allergieauslöser freigesetzt werden. Theoretisch lassen sich diese DNA-Sequenzen in bestimmte Immunzellen des Menschen übertragen. Diese Zellen sind dann gezwungen, die Allergene herzustellen und T-Zellen zu präsentieren. „Die für die Immuntherapie verwendeten Allergene würden also nicht regelmäßig von außen appliziert, sondern von den für die Immunabwehr zuständigen Zellen selbst hergestellt“, erläutert Klimek. „Die ‘AllerGentherapie’ ist bisher nur im Tierversuch getestet worden. Noch wirft dieses Konzept viele Fragen auf, doch die Aussicht auf eine vielleicht nur einmal erforderliche Impfung gegen Allergien ist eine reizvolle Zukunftsmusik.“

Im Bereich der subkutanen Immuntherapie wird außerdem erprobt, ob bestimmte Zusatzstoffe die Ergebnisse verbessern oder die Therapiedauer verkürzen können. Solche Adjuvantien können Viruspartikel oder DNA-Fragmente sein, die stimulierend auf das Immunsystem wirken, indem sie beispielsweise die TH1-Antwort steigern. Erste Studien mit Pollen- und Hausstauballergikern in den USA beziehungsweise der Schweiz waren erfolgreich. Die Patienten hatten nur sechs oder acht Injektionen mit Allergenen in Kombination mit den Adjuvantien erhalten.

„Ebenso wie bei der Gentherapie muss auch die Immuntherapie mit Adjuvantien noch in vielen Studien überprüft werden“, meint Klimek. Dagegen haben die herkömmliche SIT und die dabei verwendeten Allergene ihre effektive und lang anhaltende Wirkung in zahlreichen Studien belegt. Klimek hofft, dass sich die Besucher des Allergiekongresses in Wiesbaden intensiv über die Vorteile der SIT informieren und diese ursächliche Therapie häufiger bei ihren Allergiepatienten anwenden, auch schon in einem frühen Krankheitsstadium.

Initialtherapie gegen Pollenallergie im Herbst beginnen

„Der Herbst ist SIT-Saison – Wenn der Pollenflug vorbei ist, sollte das Immunsystem von Heuschnupfenkranken durch regelmäßige Konfrontation mit den Allergenen trainiert werden“, rät Kongresspräsident Klimek. „Der Therapieerfolg macht sich bereits in der nächsten Pollensaison bemerkbar.“ Die besten Erfolgsraten mit nahezu 100 bzw. 90 Prozent hat die SIT bei Insektengift-Allergikern und bei Patienten mit allergischer Rhinitis aufgrund von Pollen oder Hausstaubmilben. Weitere Einsatzgebiete sind Allergien auf Schimmelpilze und Tierhaare. Entscheidend für eine gute Effektivität ist eine solide allergologische Diagnostik mit eindeutigem Nachweis des symptomauslösenden Allergens und die Verwendung von Allergenpräparaten mit standardisierter Qualität. Der Therapiebeginn in einem frühen Krankheitsstadium führt bei Atemwegsallergikern zu den besten Ergebnissen. Bei Kindern mit allergischem Schnupfen kann mit einer rechtzeitigen SIT zu 50 Prozent Asthma verhindert werden.

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