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Schaben
sind für deutsche Allergologen kein Thema – noch nicht?
Eine
Untersuchung von 145 unter deutscher Flagge fahrenden Seeleuten
ergab, dass mehr als ein Viertel im Haut-Pricktest gegen Allergene
von Schaben (Kakerlaken) sensibilisiert waren. Die Ursache:
Auf einigen Schiffen tummeln sich jede Menge dieser Insekten.
„Eine Befragung der Seeleute zeigte, dass etwa zwei Drittel
schon mehrere Jahre auf Schiffen gearbeitet hatten, die Schabenbefall
aufwiesen. Bei einer Screeninguntersuchung im Hamburger Hafen
fanden wir bei mindestens jedem zehnten Schiff mit regelmäßigem
Verkehr in die Tropen Schaben“, erklärt Dr. Marcus Oldenburg
von der Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin des Zentralinstituts
für Arbeitsmedizin in Hamburg.
„Bisher
ist die Allergie auf Schaben in der Allgemeinbevölkerung kein
Problem und somit auch kein Thema für die Allergologen – noch
nicht. Angesichts des allergenen Potenzials dieser Schädlinge
sollten wir Schaben aber als mögliche Allergiequelle im Hinterkopf
behalten“, sagt Professor Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAKI).
Einer
Studie aus Dresden aus dem Jahr 2000 zufolge sind bei uns
immerhin etwa vier Prozent der Kinder gegen Schaben sensibilisiert.
Kakerlaken-Allergene fanden die Forscher in 29 Prozent der
deutschen Küchen und in 43 Prozent der Kindergärten. Allerdings
waren die gemessenen Allergenkonzentrationen zu gering, um
Krankheitssymptome auszulösen.1 In den USA sind
vor allem in Städten viele Haushalte von Schaben bevölkert
und die krankheitsauslösende Schwelle der Allergenendosis
wird in mehr als jedem zehnten Raum übertroffen.2
Einen
unfreiwilligen Versuch zum Thema Schaben und Allergiegefahr
hat die Region um die niedersächsische Stadt Damme im Landkreis
Vechta erlebt. Dort hatten sich in den Jahren 2004 und 2005
Schaben so massiv ausgebreitet, dass die eigentlich lichtscheuen
Tiere tagsüber durch die ländlichen Vororte wanderten, um
neuen Wohnraum zu finden. Befallen waren vor allem die Ställe
ortsansässiger Schweinezuchtbetriebe, in deren warmen Ställen
sich die Schaben das ganze Jahr über leicht vermehren konnten.
„Trotz des für Westeuropa außerordentlichen Massenbefalls
sind in unserer Region keine vermehrten Fälle von Asthma oder
Allergien aufgetreten", sagt Dr. Hanns Rüdiger Röttgers,
der Chef des Gesundheitsamtes Vechta. "Wir haben aus
Gründen des Infektionsschutzes eine flächendeckende Zwangsbekämpfung
angeordnet, denn Schaben tragen viele Keime mit sich herum.
Jetzt ist die Plage vorbei."
Schaben
kommen häufig in Kantinen und Restaurants und in Lebensmittel
verarbeitenden Betrieben vor. Sie lieben es dunkel, warm
und feucht. Uschi Wedekind, Mitarbeiterin einer auf Schädlingsbekämpfung
spezialisierten Firma, sagt: „Schaben sind nachtaktiv. Man
entdeckt diese scheuen Mitbewohner manchmal, wenn sie eilig
über den Fußboden in Verstecke huschen, nachdem man einen
dunklen Raum betreten und Licht angemacht hat.“ Wedekind
schätzt, dass die in den letzten Jahrzehnten zunehmende
Reiselust dazu führen könnte, dass mehr Schaben nach Deutschland
eingeschleppt werden. Sie empfiehlt, nach Reisen in wärmere
Regionen das Gepäck genau zu inspizieren und die Koffer
am besten zunächst draußen auf Balkon oder Terrasse zu öffnen,
um nicht unbeabsichtigt Schaben ins Haus zu tragen.
1.
Hirsch T et al. Exposure and allergic sensitization
to cockroach allergen in
East
Germany .
Clin Exp Allergy 2000; 30(4): 529-37
2.
Cohn RD
et al.
National prevalence and exposure risk for cockroach allergen
in U.S.
households. Environ
Health Perspect 2006; 114(4): 522-6
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