Nahrungsmittel-Allergie
bei Kleinkindern
Erdnuss-Allergie durch Baby-Öl
Eine Erdnuss-Allergie kann zu schweren allergischen Reaktionen
führen und im schlimmsten Fall sogar einen lebensgefährlichen
allergischen Schock verursachen. Doch wie entsteht eine
Erdnuss-Allergie überhaupt? Eine aktuelle Studie aus
England hat mögliche Ursachen an 13.971 Kindern untersucht.
Ein überraschendes Ergebnis der Studie ist, dass Erdnuss-Öl
in Pflegecremes eine Erdnuss-Allergie bei Kindern verursachen
kann. Von den 49 Kindern die eine Erdnuss-Allergie hatten,
wurden 84 Prozent als Babys mit Cremes gepflegt, die Erdnuss-Öl
enthielten. Bei keinem dieser Kinder konnte ein hoher Verzehr
von Erdnüssen als Ursache der Allergie ausgemacht werden.
Als weitere Risikofaktoren kristallisierten sich eine familiären
Veranlagung für Allergien und die Ernährung mit
Sojamilch heraus. Soja und Erdnuss gehören zu derselben
Pflanzenfamilie.
"Wir
wissen noch nicht genau, wie die Entwicklung von Allergien,
zum Beispiel gegen Erdnüsse, bei Kindern verhindert
werden kann. Es ist aber auf jeden Fall empfehlenswert,
Säuglinge mindestens ein halbes Jahr zu stillen und
Kindern nicht zu früh Lebensmittel zu geben, die leicht
zu Allergien führen. Dazu gehören beispielsweise
Erdnüsse, Hühnereier und Sellerie", rät
Professor Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes
Deutscher Allergologen (ÄDA). Eine Nahrungsmittel-Allergie
kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen bemerkbar machen.
Dazu gehören Juckreiz, Rötung, Quaddeln, Ekzeme,
Schnupfen, Asthma, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
oder Durchfall. In schweren Fällen kann ein allergischer
Schock mit Kreislaufversagen auftreten, der lebensbedrohlich
ist.
Allergieauslösende Nahrungsmittel meiden!
Die Diagnose von Nahrungsmittel-Allergien ist oft nicht
einfach. Wir nehmen täglich unzählige Substanzen
in den verschiedensten Kombinationen zu uns. Welche davon
Ursache der allergischen Symptome ist, kann nur ein auf
Allergien spezialisierter Facharzt unter Berücksichtigung
der Vorgeschichte und verschiedener Tests herausfinden.
Wichtigste Maßnahme um allergische Reaktionen zukünftig
zu verhindern ist es, die auslösenden Nahrungsmittel
zu meiden. Bei schweren Fällen verordnet der Allergologe
Notfall-Medikamente, die der Allergiekranke vorsichtshalber
immer bei sich haben sollte. Wissenschaftler forschen bereits
an einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie,
SIT) gegen Erdnuss-Allergien. Diese Therapie wird seit Jahren
bei der Behandlung von Heuschnupfen, Insektengift- und Hausstaubmilben-Allergien
eingesetzt und ist bei über 90 Prozent der Patienten
erfolgreich. Positiver Nebeneffekt einer Hyposensibilisierung
bei Heuschnupfen ist, dass so genannte Kreuzallergien gegen
Nahrungsmittel gebessert werden können. Als Kreuzallergie
wird zum Beispiel die allergische Reaktion auf Äpfel
bei einem Pollenallergiker bezeichnet.
Winzige
Erdnuss-Spuren können eine allergische Reaktion auslösen
Eine Studie aus den USA hat festgestellt, dass es bei fast
der Hälfte von über 4.000 befragten Erdnuss-Allergikern
innerhalb eines Jahres nach einer allergischen Reaktion
erneut zu Symptomen kam. Dabei hatten die Allergiekranken
sich bemüht, auf erdnusshaltige Nahrungsmittel zu verzichten.
Der Rat, relevante Allergieauslöser zu meiden, ist
also nicht leicht zu befolgen. Der Grund: Sogar vermeintlich
erdnussfreie Lebensmittel können eine allergische Reaktion
hervorrufen. Denn manchmal sind sie eben nicht wirklich
erdnussfrei, sondern enthalten doch winzige Spuren von Erdnüssen.
Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Schokoladenhersteller
dieselbe Rührmaschine für erdnussfreie und erdnusshaltige
Schokoladensorten verwendet. Der Ärzteverband Deutscher
Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für
Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) halten deshalb
auf EU-Ebene eine genauere Kennzeichnung von Allergenen
in Nahrungsmitteln für dringend erforderlich. "Die
Schweiz ist das einzige europäische Land, in dem bereits
eine Änderung der Deklarationsbestimmungen durchgeführt
wurde. Für die EU wird endlich im Jahr 2004 eine Änderung
der Deklarationsrichtlinie erwartet. Nach einer Übergangsfrist
muss diese dann in den Mitgliedsstaaten in nationales Recht
umgesetzt werden", erklärt Professor Dr. Stefan
Vieths vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Die Änderung
der EU-Deklarationsrichtlinie gilt für Zutaten, nicht
jedoch für ungewollte minimale Verunreinigungen.
Dass bereits geringe Erdnuss-Mengen allergische Reaktionen
hervorrufen können, erfuhr ein Skatspieler mit einer
bekannten Allergie auf Erdnüsse am eigenen Leib. Seine
Spielpartner hatten während des Kartenspiels Erdnüsse
gegessen. Der Skatspieler aß oder berührte zwar
selbst keine Erdnüsse, beleckte aber beim Austeilen
der Karten seinen Daumen und bekam dadurch Kontakt mit winzigen
Spuren des Allergieauslösers. Er musste das Skatspiel
mit seinen Freunden abbrechen, weil er plötzlich unter
heftigen allergischen Reaktionen litt.
Nahrungsmittel-Allergien sind relativ selten
Nahrungsmittel-Allergien
treten bei Kleinkindern mit einer Häufigkeit von ungefähr
vier Prozent auf. Meistens sind Kuhmilch, Hühnerei,
Soja, Weizen oder Erdnuss die Auslöser. Bei etwa drei
Viertel der betroffenen Kleinkinder verliert sich die Nahrungsmittel-Allergie
in den ersten Lebensjahren wieder. Viele dieser Kinder erkranken
später aber an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma.
Bei Erwachsenen ist eine Nahrungsmittel-Allergie seltener
als bei Kindern. Nur ungefähr zwei Prozent sind gegen
Nahrungsmittel wie Erdnüsse, Hühnerei, Kuhmilch
oder Fisch allergisch. An Bedeutung gewinnen Allergien gegen
Sellerie, Nüsse oder Obst, die meistens als Kreuzallergie
bei einer Pollenallergie auftreten.
"
Lack, G. et al.: Factors associated with the development
of peanut allergy in childhood. New England Journal of Medicine
2003;348:977-985.