Multizentrische
Allergiestudie MAS-90
Allergischer
Marsch: Von der Nahrungsmittel-Allergie zum Asthma
Kleine
Kinder reagieren manchmal allergisch auf Nahrungsmittel wie
Kuhmilch, Hühnerei, Erdnüsse oder Obst. Bei vielen Kindern
verliert sich die Nahrungsmittel-Allergie in den ersten Lebensjahren
wieder. Oft ist sie aber auch der Beginn einer Allergie-Karriere
und Vorbote für Heuschnupfen und Asthma. Welche Faktoren für
diese Entwicklung verantwortlich sind, ist bisher nicht bekannt.
Man weiß aber, dass Kinder von Eltern mit Allergien ein erhöhtes
Allergierisiko haben. Es gibt also eine genetische Veranlagung,
an Allergien zu erkranken. Aber die Gene können nicht die
Ursache dafür sein, dass Allergien in den letzten Jahrzehnten
so stark zunehmen, denn in so kurzen Zeiträumen verändert
sich das Erbmaterial nicht. Die Multizentrische Allergie-Studie
MAS-90 erforscht seit zehn Jahren den Verlauf allergischer
Erkrankungen. Die Forscher wollen den Einflussfaktoren für
die Entwicklung von Allergien auf die Spur kommen. Dazu werden
Kinder mit einem erhöhten Atopierisiko untersucht. Neue Ergebnisse
der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten
Studie wurden jetzt veröffentlicht.
Über
40 Prozent der Zehnjährigen sind allergisch sensibilisiert
Die
MAS-90 Studie hat ergeben, dass die allergische Sensibilisierung,
also die Entwicklung von spezifischen Antikörpern gegen Allergene
als erstes Anzeichen einer Allergie, bei Kindern mit zunehmendem
Lebensalter steigt. Während nur 16,4 Prozent der Einjährigen
sensibilisiert waren, konnte inzwischen schon bei 42,7 Prozent
der heute zehnjährigen Studienteilnehmer eine Sensibilisierung
nachgewiesen werden. Die Kinder entwickelten mit jedem Jahr
mehr Allergien. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Nahrungsmittel-Allergene,
vor allem Kuhmilch und Hühnerei, die häufigsten Auslöser für
eine Allergie. Professor Dr. Ulrich Wahn, Direktor der Klinik
für Kinderheilkunde an der Charité in Berlin und MAS-90-Projektleiter:
„Wir haben festgestellt, dass Kinder, deren Mütter vor oder
während der Schwangerschaft geraucht hatten, ein besonders
hohes Risiko für eine Allergie auf Nahrungsmittel haben.“
Seine wichtigste Empfehlungen für Eltern von Risikokindern
ist daher: „Rauchen Sie nicht! Tabakrauch hat neben der familiären
Allergiebelastung den größten uns bekannten Effekt auf die
Allergieentwicklung bei Kindern.“ Ist ein Kind erst einmal
gegen Hühnerei sensibilisiert, besteht nachfolgend auch ein
höheres Risiko, an einer Hausstaubmilben- oder Tierhaar-Allergie
zu erkranken.
Behandlung
beim Allergologen kann allergischen Marsch stoppen
Pollen
spielen als Allergieauslöser bei ganz kleinen Kindern noch
keine Rolle. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Immunsystem
in einer Pollensaison erst einmal Pollen als Allergieauslöser
kennenlernen muss, bevor es in darauf folgenden Sommern mit
einer allergischen Überempfindlichkeit reagiert. Im Alter
von zehn Jahren haben dann allerdings schon 16,6 Prozent
Heuschnupfen. Kinder, die zunächst auf bestimmte Nahrungsmittel
allergisch reagieren und später auf eingeatmete Allergene
wie Tierhaare, Hausstaubmilben oder Pollen, haben ein stark
erhöhtes Asthmarisiko. Professor Wahn: „Diese Kinder müssen
unbedingt rechtzeitig von einem allergologisch ausgebildeten
Facharzt behandelt werden. Eine frühe allergologische Diagnostik
ist hier ganz wichtig. Die auslösenden Allergene müssen möglichst
gemieden werden, und es muss eine antiallergische Therapie
begonnen werden.“ In vielen Fällen kann das Immunsystem auch
mit einer spezifischen Immuntherapie wieder toleranter gemacht
und so der allergische Marsch bis zum Asthma verhindert werden.
Die spezifische Immuntherapie hilft bei bis zu 90 Prozent
der Patienten mit einer Allergie auf Pollen oder Hausstaubmilben.
Professor
Wahn bedauert, dass im Verlauf der MAS-90 Studie nur
wenige Faktoren entdeckt wurden, die vor Allergien schützen.
„Wir haben herausgefunden, dass frühkindliche Infektionen
mit Schnupfenviren das Allergierisiko etwas verringern. Auch
Schutzimpfungen für Kinder scheinen eher einen günstigen Effekt
zu haben.“ Für das Stillen der Säuglinge wurde zwar kein präventiver
Effekt gefunden. Doch aus ernährunsphysiologischen Gründen
und weil andere Studien einen günstigen Effekt nachgewiesen
haben, sollten Kinder nach Möglichkeit etwa sechs Monate gestillt
werden.
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Weißbuch Allergie in
Deutschland 2000. Ring, J., Wenning, J. (Hrsg.) für Deutsche
Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI), Ärzteverband
Deutscher Allergologen (ÄDA) und Deutsche Akademie für Allergologie
und Umweltmedizin (DAAU). Urban & Vogel Medien und Medizin
Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2000.
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Grüber, C. et al.: Zehn
Jahre Multizentrische Allergiestudie MAS-90. Pädiatrische
Allergologie 3:6-10, 2002.
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