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Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI)

23. Januar 2003


 

Multizentrische Allergiestudie MAS-90

Allergischer Marsch: Von der Nahrungsmittel-Allergie zum Asthma

Kleine Kinder reagieren manchmal allergisch auf Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei, Erdnüsse oder Obst. Bei vielen Kindern verliert sich die Nahrungsmittel-Allergie in den ersten Lebensjahren wieder. Oft ist sie aber auch der Beginn einer Allergie-Karriere und Vorbote für Heuschnupfen und Asthma. Welche Faktoren für diese Entwick­lung verantwortlich sind, ist bisher nicht bekannt. Man weiß aber, dass Kinder von Eltern mit Allergien ein erhöhtes Allergierisiko haben. Es gibt also eine genetische Veranlagung, an Allergien zu erkranken. Aber die Gene können nicht die Ursache dafür sein, dass Allergien in den letzten Jahrzehnten so stark zunehmen, denn in so kurzen Zeiträumen verändert sich das Erbmaterial nicht. Die Multizentrische Allergie-Studie MAS-90 erforscht seit zehn Jahren den Verlauf allergischer Erkrankungen. Die Forscher wollen den Einflussfaktoren für die Entwicklung von Allergien auf die Spur kommen. Dazu werden Kinder mit einem erhöhten Atopierisiko untersucht. Neue Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie wurden jetzt veröffentlicht.

Über 40 Prozent der Zehnjährigen sind allergisch sensibilisiert

Die MAS-90 Studie hat ergeben, dass die allergische Sensibilisierung, also die Entwicklung von spezifischen Antikörpern gegen Allergene als erstes Anzeichen einer Allergie, bei Kindern mit zunehmendem Lebensalter steigt. Während nur 16,4 Prozent der Einjährigen sensibilisiert waren, konnte inzwischen schon bei 42,7 Prozent der heute zehnjährigen Studienteilnehmer eine Sensibilisierung nachgewiesen werden. Die Kinder entwickelten mit jedem Jahr mehr Allergien. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Nahrungsmittel-Allergene, vor allem Kuhmilch und Hühnerei, die häufigsten Auslöser für eine Allergie. Professor Dr. Ulrich Wahn, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde an der Charité in Berlin und MAS-90-Projektleiter: „Wir haben festgestellt, dass Kinder, deren Mütter vor oder während der Schwangerschaft geraucht hatten, ein besonders hohes Risiko für eine Allergie auf Nahrungsmittel haben.“ Seine wichtigste Empfehlungen für Eltern von Risikokindern ist daher: „Rauchen Sie nicht! Tabakrauch hat neben der familiären Allergiebelastung den größten uns bekannten Effekt auf die Allergieentwicklung bei Kindern.“ Ist ein Kind erst einmal gegen Hühnerei sensibilisiert, besteht nachfolgend auch ein höheres Risiko, an einer Hausstaubmilben- oder Tierhaar-Allergie zu erkranken.

Behandlung beim Allergologen kann allergischen Marsch stoppen

Pollen spielen als Allergieauslöser bei ganz kleinen Kindern noch keine Rolle. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Immunsystem in einer Pollensaison erst einmal Pollen als Allergieauslöser kennenlernen muss, bevor es in darauf folgenden Sommern mit einer allergischen Überempfindlichkeit reagiert. Im Alter von zehn Jahren haben dann allerdings schon 16,6 Prozent Heuschnupfen. Kinder, die zunächst auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren und später auf eingeatmete Allergene wie Tierhaare, Hausstaubmilben oder Pollen, haben ein stark erhöhtes Asthmarisiko. Professor Wahn: „Diese Kinder müssen unbedingt rechtzeitig von einem allergologisch ausgebildeten Facharzt behandelt werden. Eine frühe allergologische Diagnostik ist hier ganz wichtig. Die auslösenden Allergene müssen möglichst gemieden werden, und es muss eine antiallergische Therapie begonnen werden.“ In vielen Fällen kann das Immunsystem auch mit einer spezifischen Immuntherapie wieder toleranter gemacht und so der allergische Marsch bis zum Asthma verhindert werden. Die spezifische Immuntherapie hilft bei bis zu 90 Prozent der Patienten mit einer Allergie auf Pollen oder Hausstaubmilben.

Professor Wahn bedauert, dass im Verlauf der MAS-90 Studie nur wenige Faktoren entdeckt wurden, die vor Allergien schützen. „Wir haben herausgefunden, dass frühkindliche Infektionen mit Schnupfenviren das Allergierisiko etwas verringern. Auch Schutzimpfungen für Kinder scheinen eher einen günstigen Effekt zu haben.“ Für das Stillen der Säuglinge wurde zwar kein präventiver Effekt gefunden. Doch aus ernährunsphysiologischen Gründen und weil andere Studien einen günstigen Effekt nachgewiesen haben, sollten Kinder nach Möglichkeit etwa sechs Monate gestillt werden.

 

·        Weißbuch Allergie in Deutschland 2000. Ring, J., Wenning, J. (Hrsg.) für Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2000.

·        Grüber, C. et al.: Zehn Jahre Multizentrische Allergiestudie MAS-90. Pädiatrische Allergologie 3:6-10, 2002.


Hier finden Sie weitere Informationen zu
aktuellen Erfolgen der Allergieforschung:

 

Pollenallergie

Insektengiftallergie

Hausstaubmilbenallergie

Tierhaarallergie

AllergieCheck

  Link zu Website ALK-Scherax

 

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Copyright ©  LaHave Media Services Limited
Allergischer Marsch: Von der Nahrungsmittel-Allergie zum Asthma. Pressemappe/Publikumspresse 01/2003. Aerzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie(DGAI). Info-Netzwerk Medizin 2000
 
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Multizentrische Allergiestudie MAS-90

Allergischer Marsch: Von der Nahrungsmittel-Allergie zum Asthma

Kleine Kinder reagieren manchmal allergisch auf Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei, Erdnüsse oder Obst. Bei vielen Kindern verliert sich die Nahrungsmittel-Allergie in den ersten Lebensjahren wieder. Oft ist sie aber auch der Beginn einer Allergie-Karriere und Vorbote für Heuschnupfen und Asthma. Welche Faktoren für diese Entwick­lung verantwortlich sind, ist bisher nicht bekannt. Man weiß aber, dass Kinder von Eltern mit Allergien ein erhöhtes Allergierisiko haben. Es gibt also eine genetische Veranlagung, an Allergien zu erkranken. Aber die Gene können nicht die Ursache dafür sein, dass Allergien in den letzten Jahrzehnten so stark zunehmen, denn in so kurzen Zeiträumen verändert sich das Erbmaterial nicht. Die Multizentrische Allergie-Studie MAS-90 erforscht seit zehn Jahren den Verlauf allergischer Erkrankungen. Die Forscher wollen den Einflussfaktoren für die Entwicklung von Allergien auf die Spur kommen. Dazu werden Kinder mit einem erhöhten Atopierisiko untersucht. Neue Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie wurden jetzt veröffentlicht.

Über 40 Prozent der Zehnjährigen sind allergisch sensibilisiert

Die MAS-90 Studie hat ergeben, dass die allergische Sensibilisierung, also die Entwicklung von spezifischen Antikörpern gegen Allergene als erstes Anzeichen einer Allergie, bei Kindern mit zunehmendem Lebensalter steigt. Während nur 16,4 Prozent der Einjährigen sensibilisiert waren, konnte inzwischen schon bei 42,7 Prozent der heute zehnjährigen Studienteilnehmer eine Sensibilisierung nachgewiesen werden. Die Kinder entwickelten mit jedem Jahr mehr Allergien. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Nahrungsmittel-Allergene, vor allem Kuhmilch und Hühnerei, die häufigsten Auslöser für eine Allergie. Professor Dr. Ulrich Wahn, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde an der Charité in Berlin und MAS-90-Projektleiter: „Wir haben festgestellt, dass Kinder, deren Mütter vor oder während der Schwangerschaft geraucht hatten, ein besonders hohes Risiko für eine Allergie auf Nahrungsmittel haben.“ Seine wichtigste Empfehlungen für Eltern von Risikokindern ist daher: „Rauchen Sie nicht! Tabakrauch hat neben der familiären Allergiebelastung den größten uns bekannten Effekt auf die Allergieentwicklung bei Kindern.“ Ist ein Kind erst einmal gegen Hühnerei sensibilisiert, besteht nachfolgend auch ein höheres Risiko, an einer Hausstaubmilben- oder Tierhaar-Allergie zu erkranken.

Behandlung beim Allergologen kann allergischen Marsch stoppen

Pollen spielen als Allergieauslöser bei ganz kleinen Kindern noch keine Rolle. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Immunsystem in einer Pollensaison erst einmal Pollen als Allergieauslöser kennenlernen muss, bevor es in darauf folgenden Sommern mit einer allergischen Überempfindlichkeit reagiert. Im Alter von zehn Jahren haben dann allerdings schon 16,6 Prozent Heuschnupfen. Kinder, die zunächst auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren und später auf eingeatmete Allergene wie Tierhaare, Hausstaubmilben oder Pollen, haben ein stark erhöhtes Asthmarisiko. Professor Wahn: „Diese Kinder müssen unbedingt rechtzeitig von einem allergologisch ausgebildeten Facharzt behandelt werden. Eine frühe allergologische Diagnostik ist hier ganz wichtig. Die auslösenden Allergene müssen möglichst gemieden werden, und es muss eine antiallergische Therapie begonnen werden.“ In vielen Fällen kann das Immunsystem auch mit einer spezifischen Immuntherapie wieder toleranter gemacht und so der allergische Marsch bis zum Asthma verhindert werden. Die spezifische Immuntherapie hilft bei bis zu 90 Prozent der Patienten mit einer Allergie auf Pollen oder Hausstaubmilben.

Professor Wahn bedauert, dass im Verlauf der MAS-90 Studie nur wenige Faktoren entdeckt wurden, die vor Allergien schützen. „Wir haben herausgefunden, dass frühkindliche Infektionen mit Schnupfenviren das Allergierisiko etwas verringern. Auch Schutzimpfungen für Kinder scheinen eher einen günstigen Effekt zu haben.“ Für das Stillen der Säuglinge wurde zwar kein präventiver Effekt gefunden. Doch aus ernährunsphysiologischen Gründen und weil andere Studien einen günstigen Effekt nachgewiesen haben, sollten Kinder nach Möglichkeit etwa sechs Monate gestillt werden.

 

·        Weißbuch Allergie in Deutschland 2000. Ring, J., Wenning, J. (Hrsg.) für Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2000.

·        Grüber, C. et al.: Zehn Jahre Multizentrische Allergiestudie MAS-90. Pädiatrische Allergologie 3:6-10, 2002.


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