Lebensmittelallergie    
     
 


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Quelle: Presse-Information Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), der deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) gemeinsam in Aachen veranstalteten Allergiekongress 2004



Nahrungsmittelallergien stellen auch in Deutschland eine nur schwer zu entdeckende und noch schwerer zu behandelnde Gefahr da. Betroffen sind häufig Kinder. Todesfälle kommen vor.

Erstmalig konnten jetzt in Kalifornien unter einer Lebensmittelallergie leidende Allergiker mit Hilfe einer neu entwickelten Impfung erfolgreich behandelt werden – es handelt sich bei den Patienten um Hunde, deren Immunsystem in Form einer Allergie überschießend  auf Erdnüsse, Kuhmilch oder Weizen reagierte – Allergene also, die auch beim Menschen häufig Allergien auslösen. 

 

Während noch vor einigen Jahren Nahrungsmittelallergien vergleichsweise selten waren, nehmen sie nun auch in Deutschland von Jahr zu Jahr mehr zu. In den USA und in England gehen Allergieexperten davon aus, daß etwa 2% der Erwachsenen und zwischen 6 und 8% der Kinder unter einer Nahrungsmittelallergie leiden. Allein 3 Millionen Amerikaner haben eine Nußallergie. Nahrungsmittelallergien sind schwer zu identifizieren und noch schwerer zu behandeln. Sie können überraschend „aus blauem Himmel“ auftreten und in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen – in den USA rechnet man jährlich mit 100 bis 150 Todesfällen – überwiegend reagieren Kinder auf Nahrungsmittel allergisch.

Doch nicht nur Menschen sind betroffen, sondern auch Haustiere wie beispielsweise Hunde, die zunehmend mit industriell bearbeiteten  Nahrungsmitteln  gefüttert werden. Daher liegt die Hoffnung nahe, daß Behandlungsmethoden die für Hunde entwickelt werden später erfolgreich auch beim Menschen eingesetzt werden können.

 „Für Deutschland haben wir in einer aktuellen Umfrage unter 10.000 Kinderärzten nachgewiesen, daß bei Kindern Nahrungsmittelallergien die häufigste Ursache für einen allergischen Schock sind. Besonders oft handelt es sich dabei um Nuß- und Erdnußallergien“, erläutert Professor Bodo Niggemann von der Berliner Charité anläßlich des diesjährigen Allergie-Kongresses in Aachen.

Auf dem jüngst vom  Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), der deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) gemeinsam in Aachen veranstalteten Allergiekongress 2004 wies Niggemann darauf hin, daß sich ein allergischer Schock meistens zu Hause, auf der Straße oder in Kindergarten und Schule ereignet. Bis der Notarzt vor Ort ist, kann einige Zeit vergehen. Das ist gefährlich, da ein allergischer Schock ein lebensbedrohlicher Notfall ist: Die Bronchien verkrampfen und verengen sich, es kommt zu dramatischer Luftnot, der Kreislauf bricht zusammen. Wird nicht rechtzeitig eingegriffen, können die Betroffenen sterben.  „Kinder und Eltern, aber auch Kindergärtnerinnen und Lehrer sollten deshalb unbedingt die Symptome kennen, mit denen sich ein allergischer Schock ankündigt“, sagt Dr. Frank Friedrichs, Kinder- und Jugendarzt, Allergologe und einer der Präsidenten des Allergie-Kongresses Aachen 2004.

Zahllose unterschiedliche Nahrungsbestandteile können eine Allergie auslösen, darunter auch solche, von deren Existenz weder der durchschnittliche Allergiker, noch sein behandelnder Arzt noch nie gehört hat.  Daher ist die exakte Diagnose einer Lebensmittelallergie sehr aufwendig und gleicht gelegentlich einer kriminaltechnischen Untersuchung.  Die beobachteten Krankheitszeichen reichen von geröteter Haut, Heuschnupfen, Juckreiz und Quaddelbildung bis hin zu lebensbedrohlichen Symptomen wie Asthma und Kreislaufkollaps. Die meisten Symptome treten auch bei anderen Allergien auf. Gelegentlich legen  wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall den Verdacht nahe, daß eine Lebensmittelallergie vorliegen könnte.

Obgleich Allergien gegen Gras- und Baumpollen, Tierhaare, Insektengifte und auch Hausstaubmilben ähnlich häufig wie Lebensmittelallergien zu beobachten sind,  besteht doch ein großer,  praktisch wichtiger Unterschied: nur die Lebensmittelallergien lassen sich derzeit noch nicht mit Hilfe der spezifischen Immuntherapie (SIT) behandeln, eine seit Jahrzehnten bewährte Therapie, die früher auch als Hyposensibilisierung bekannt geworden ist. Die langjährige Therapie, die bisher ausschließlich in Form subkutaner Injektionen durchgeführt wurde, konnte nun durch die sublinguale spezifische Immuntherapie (SLIT) ergänzt werden, bei der die zur Behandlung zugeführten Allergenlösungen über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen werden. Aber selbst diese besonders für kleine Kinder gut geeignete Therapievariante ist im Fall der Lebensmittelallergien derzeit noch nicht erfolgversprechend anwendbar.

Bisher bleibt also bei Lebensmittelallergien nur eines zu tun: sind die Verursacher der Allergie erst einmal identifiziert – was im ärztlichen Alltag schwierig genug ist – müssen die in Verdacht stehenden allergieauslösenden Nahrungsbestandteile konsequent gemieden werden. Doch hier gehen die Schwierigkeiten erst richtig los.  Die Kennzeichnungspflicht der Lebensmittel wird bisher nicht so konsequent angewandt, daß Allergiker zuverlässig wissen können, ob ein Nahrungsmittel für sie harmlos oder lebensbedrohlich ist.

Erstmalig können nun die bisher medizinisch eher vernachlässigten Nahrungsmittelallergiker aufgrund einer innovativen wissenschaftlichen Studie auf eine grundsätzliche Änderung ihrer ansonsten düsteren Zukunftsaussichten hoffen.

Mitarbeiter von vier bedeutenden kalifornischen Universitäten hatten sich für eine Studie zusammengeschlossen, bei der Allergieimpfungen gegen Nahrungsmittelallergien erstmalig in der Medizingeschichte an Wirbeltieren erprobt wurden,  die größer als Mäuse sind.

In einer Untersuchung, die in der online Ausgabe des Fachblatts Allergy publiziert wurde, berichteten die Forscher um den Kinderarzt Dr. Dale Umetsu, Universität Stanford, über mit vergleichsweise geringem Aufwand erzielte, geradezu sensationelle Therapieerfolge, die in Zukunft vielleicht auch den Weg für eine entsprechende Therapie bei jenen Menschen ebnen, die auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren.

 

Zwei Gruppen von Hunden wurden mit der neu entwickelten Impfung behandelt, bei der normalerweise im Darm vorkommende Bakterien (Listerien) in deaktivierter Form als Transportmittel für die den Impfstoff genutzt werden.  Die behandelten Hunde litten vor der Impfung entweder an einer Erdnußallergie, oder an einer Allergie gegen Kuhmilch und Weizen. Allergien, die auch bei Menschen sehr häufig sind.


Kamen die allergiekranken Hunde in der Vergangenheit mit den genannten Allergenen in Kontakt, so bekamen sie schnell starkes Erbrechen sowie heftige Durchfälle. Leitsymptome also, deren Veränderung im Verlauf der kalifornischen Studie leicht zu beurteilen waren.

Bereits zehn Wochen nach der Allergieimpfung konnten die US-Forscher einen erstaunlich eindeutigen Nutzeffekt der Behandlung feststellen. Ein Hund konnte beispielsweise vor der Impfung nur eine halbe Erdnuß essen,  ohne daß er einen heftigen Durchfall bekam – jetzt konnte diese Zahl problemlos auf 37 gesteigert werden.  Drei von vier unter Erdnußallergie leidende Hunde konnten nach der Impfung eine Handvoll - im Durchschnitt 57 - Erdnüsse vertragen, ohne daß sich ein Erbrechen oder ein Durchfall einstellte. Auch bei den unter einer Kuhmilchallergie leidenden Hunden kam es nach der Allergieimpfung zu einer deutlichen Verminderung der allergisch bedingten Durchfälle um 60%.

„Die Studie“ – so Umetsu – „basiert auf der unter Allergieexperten weit verbreiteten Hypothese, daß die Zunahme der Allergien möglicherweise auf den in der Kindheit zu beobachtenden Rückgang banaler bakterieller Infektionen zurück zu führen ist.“   Dem kindlichen Körper fehlen so die ständigen Reize, die von den Infektionen ausgehen und für ein Training des Immunsystems wichtig sind.  Diese fehlenden bakteriellen Entzündungsreize könnten daher möglicherweise – so hofften die Forscher vor Beginn der Studie – durch die künstliche Infektion mit den abgetöteten Darmbakterien aus der Familie der Listerien „nachgestellt“ werden. Diese Vermutung erwies sich nach Auswertung der Studienergebnisse – zumindest was Hunden angeht – als goldrichtig.

Doch bis zur Zulassung entsprechender,  für den Einsatz beim Menschen konzipierter,  Impfstoffe können aufgrund komplizierter und teurer Zulassungsverfahren noch Jahre vergehen. Muriel Simmons von der nicht profitorientierten Organisation Allergy UK warnt gegenüber der BBC vor übertriebenem Optimismus: “Die Studie ist zwar eine sehr gute Nachricht für Hunde, die sehr oft unter Allergien leiden.  Allergiekranke Menschen sollten sich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine großen Hoffnungen machen. Tierversuche lassen sich bekanntlich nicht automatisch auf den Menschen übertragen.“

 

 

 

 

 

 

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